Was Cordt Schnibbens Zeitungsprojekt #tag2020 mit ambitiousTV und der Content 2020 Initiative von Coca-Cola gemein hat

Von Christiane Brandes-Visbeck

Diejenigen, die mich besser kennen, wissen um meine These, dass neue Content-Impulse nicht im Journalismus, sondern in Unternehmen entstehen. Als Beleg dafür habe ich gern auf das  “Content 2020″-Video (Part 1) von Coca-Cola und die diversen Storytelling-Ansätze aus der PR/Werbung verwiesen. Dazu auch das Interview mit Petra Sammer in diesem Blog.

Am vergangenen Freitag berichtete der Medienjournalist und Media-Chefredakteur @Christian-Meyer über das “Multi-Story”-Projekt, das DER SPIEGEL zum Thema Zeitungssterben vorbereitet hat. Meyer schreibt: “Im Jahr 2020 werden alle Menschen miteinander vernetzt sein, hat der ehemalige Google-Chef Eric Schmidt neulich einmal gesagt. “2020″ nennen Spiegel-Reporter Cordt Schnibben und ein Team von Multimedia-Journalisten intern ihre erste “Multi-Story”. Unter diesem Label sollen Geschichten über so viele Medienkanäle des Spiegel wie möglich erzählt werden.” 

New New JournalismHeute hat der renommierte Spiegel-Reporter Cordt Schnibben einen Blogpost über die Krise der Großstadtzeitungen publiziert. Dieser Auftakt wird inzwischen auf SPON und Twitter diskutiert. Einige Tage vorher hat der Axel-Springer-Verlag seine neue Ausrichtung ins Digitale Zeitalter verkündet: Radikale Verkäufe von klassischen Springer-Magazinen und -Zeitungen schaffen Ressourcen für Neues. Aufräumen und Ausprobieren – tut sich endlich etwas in deutschen Verlagshäusern? Ist meine These über die fehlende Innovationskraft deutscher Verlagshäuser bald überholt? Ich wünsche es mir.

Als großer Fan von neuen Erzählformen begrüße ich jedes Experiment, das ein Journalist oder Medienschaffender in Richtung Digitalen Content tut. Ich bin kein Nerd, kein Hipster. Ich mag Papier und altmodische Kalender, lese gelegentlich Zeitungen aus Papier, noch öfters Zeitschriften und Bücher, bei denen ich als Lesezeichen den Rand einer Seite umknicke, wenn ich es aus der Hand legen muss. Ich kann nicht gut auf dem Smartphone tippen und habe einige Zeit gebraucht, bis ich mir die Grundlagen des digitalen Publizierens beigebracht habe. Doch jede technische Entwicklung, die es uns ermöglicht, neue Contentformen zu entwickeln, elektrisiert mich genauso wie andere Menschen Fußball gucken, Schuhe shoppen oder Oldtimer schrauben.

Diese Begeisterung für Edge-Projekte, für dieses ganze Neue, Experimentelle, also für so etwas, wie es das Team um Cordt Schnibben mit #tag2020 entwickelt, treibt mich mit ambitiousTV um. Unser Ziel ist zu lernen, wie das funktioniert mit dem Geschichtenerzählen über mehrere Kanäle hinweg. Was müssen wir tun, damit Leute Lust dazu haben, uns vom Bewegtbild (Film) zu Facebook, Twitter und Google+ zu folgen, um dort mit uns zu diskutieren, wie unsere Geschichte weitergehen soll?

Cordt Schnibben

Foto: Christiane Brandes-Visbeck

Cordt Schnibben hat sich für das Thema “Zeitungskrise” entschieden, wir uns für das Thema “Karriere der Zukunft”. Unsere Zielgruppe sind Jugendliche und junge Erwachsene, die nicht wissen, was sie beruflich werden wollen. Und natürlich Recruiter, Personaler und Unternehmensgründer, die ja die Arbeitswelt von morgen gestalten. Die Frage, die dahinter steht, lautet ja auch: Wie sieht Geldverdienen morgen aus? Können wir Unternehmenskulturen schaffen, in denen Menschen gern produktiv sind, in denen sie sich gut aufgehoben fühlen? Müssen Beruf und Familie zwei getrennte Welten sein? Wie erreichen zukünftig Journalisten, Marken und Politiker ihre Zielgruppen und wie glaubwürdig werden ihre Botschaften sein?

Das zentrale Thema der Zukunft ist für mich das Verbundene, das Fließende. “Liquid” und “fluid” sind zwei Begriffe, die in diesem Zusammenhang genannt werden. Die Visionäre von Coca-Cola sprechen von “liquid content” und “linked ideas”. Wie bekommen wir diesen liquiden Moment hin, den sich Coca-Cola für seine zukünftige Markenkommunikation wünscht, und den wir von ambitiousTV für unser transmediales Projekt entwickeln wollen?

Vielleicht findet das Team um Cordt Schnibben in den nächsten Tagen und Wochen weitere Antworten. Denn einer, der sein Twitter-Profil @schnibben mit New New Journalism überschreibt, hat sich wohl einiges vorgenommen.

 

Update:

Inzwischen hat Cordt Schnibben in der Zeitungsapp “Der Abend” alle Leser- und User-Vorschläge für eine Zeitung der Zukunft zusammengefasst.

Eine App! Dafür hagelte es in der “Netzgemeinde” viel Kritik. Ich persönlich bedauere dies, denn Schnibben ist einer der wenigen festangestellten Journalisten, der dem diesjährigen re:publica-Motto “Machen!” gefolgt ist und etwas ausprobiert hat! Allein dafür gebührt ihm Anerkennung und Respekt.

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